Für eine freie, deutsch-europäische Föderalkultur!

Vor 28 Jahren wurde unser unabhängiges Institut in Hamburgs Stadtteil Klein-Borstel gegründet und ins Vereinsregister der Freien und Hansestadt Hamburg eingetragen.  Im Zeichen der großen "Wende" begleiteten wir diskursiv und mitunter auch aktiv die gesellschaftlichen Wandlungsvorgänge in beiden deutschen Teilstaaten wie auch im Hinblick auf die sich abzeichnenden Veränderungen im südöstlichen und östlichen Europa, im Schatten von Perestroika und Glasnost in der damaligen UdSSR.

Statt des oberflächlichen und manipulativen Europa-Getöses widmeten wir uns der Suche nach einer den Deutschen in der damaligen Altbundesrepublik und in der DDR sowie allen übrigen Völkern Europas angemessenen politischen Form, verzahnt mit einem sozio-kulturellen Gewebe, dass - elastisch genug - Unterschiede, Einwanderungswirkungen und wirtschaftliche Krisen auf eine friedliche Weise ertragen und, wo nötig, bewältigen lassen würde.

Es ging uns um gesamtdeutsche und intereuro-päische Diskurse, aus denen sich für alle Betei-ligten gangbare Perspektiven entwickeln sollten.

Im Laufe der Jahre erweiterten wir unsere Tätigkeitsperspektiven um die politisch-geografische Dimension "Eurasien". Das ergab sich schon allein aus den massenhaften Übersiedlungen ehemaliger Russland- und Rumänien-Deutscher in die Bundesrepublik Deutschland sowie aus dem Umgang mit neu hinzugewonnenen Partnern und Mitgliedern aus Russland und dem Baltikum.

Wir nehmen beobachtenden, kommentierenden und aktiven Anteil am Aufbau des "Europäischen Hauses", unabhängig von den offiziellen Verlautbarungen, Handlungen und Maßnahmen im parlamentarischen Raum oder auf Regierungsebene sowie auf Ebene der "Europäischen Union".

Als Lehre aus den letzten 150 Jahren deutsch-europäischer Entwicklungen zogen wir die Perspektive für eine innere Wiedervereinigung der Deutschen und Neuvereinigung aller Europäer auf der Grundlage von Demokratie und Föderalismus, mit viel Raum für Unterschiede in der Seinsform  beziehungsweise in der Alltagskultur, in den Traditionen, wie auch in der Handhabung ihrer jeweiligen konkreten Form der Daseinsbewältigung in einem sich wirtschaftlich und strukturell globalisierendem gesellschaft-lichen Umfeld.


Emanzipativen Entwicklungsschritten der Menschen in Deutschland und Europa geben wir den Vorrang vor administrativen Empfehlungen und Maßnahmen, Verordnungen und Gesetzen.

Wir orientieren uns an der Frage nach dem Zusammenhang von Ursache und Wirkung und geben wenig auf die sogenannte 'öffentliche Meinung'. Ein wichtiges Ferment unseres Tätigkeitsbestecks, auch als kleinformatige Nichtregierungsorganisation ist uns der unver-zichtbare Humor bei allem, was wir tun.

Zum Institutskreis zählen akademisch vorge-bildete Mitglieder ebenso wie engagierte Laienkundige, mit unterschiedlichen Bezügen zum Berufsleben. Sie entstammen verschiedener Herkunftsmilieus und Gegenden in Deutschland, Europa sowie darüber hinaus.

Wir sind gemeinschaftlich vernetzte Selbst-lernende und wollen niemanden belehren. Auf Wunsch sind wir gern analysierend, beratend, begleitend und durchführend tätig. Das FIDEA ist unsere Austragungsplattform für Erkenntnisse, Auffassungen und Stellungnahmen. Es ist unser auf reflektierende Handlung bedachte kleine Einheit freisinniger Menschen. Im Hinblick auf persönliche weltanschauliche oder religiöse Belange achten wir das Prinzip von gegenseitiger Neugier und Toleranz. Verordnete Welterklä-rungsmuster und Dogmen sind nicht unsere Sache. Wir nutzen die Freiheit zur Einsicht in von uns erkannte Notwendigkeiten, um Handlungs-perspektiven zu entwickeln, für uns wie für andere.


Titelblatt der bretonisch-regionalistischen Zeitschrift "L'avenir de la Bretagne", mit dem Leitartikel "Von Deutschland zur Bretagne - Wiedervereinigung, Freiheit und Demokratie", erschienen in der Dezember-Ausgabe 1989

Fidea-Aktion zur Förderung des öffentlichen Bewusstseins über die Zugehörigkeit baltischer Nationen, in diesem Falle Lettlands und Litauens, zu Europa, anlässlich eines Karnevals der Kulturen in Hamburg
(an der Mandoline: Fidea-Mitglied und Musiker Nikolay Bakulin aus Russland)

Seit den späten 1990er Jahren beziehen wir auch den eurasischen Kulturraum, also die Russische Föderation und die Völker des Ural, in unsere Institutsarbeit mit ein. Uns ist bewusst, dass auch der Ural letztlich keine geschlossene Kulturgrenze darstellt, gleichwohl bildet er die von uns erwählte geopolitische Bezugsgröße für die Ostgrenze des europäischen Kontinents.

Im Westen zeigen sich unseres Erachtens die Hauptmerkmale europäischer Kultur bis hin zu den ehemaligen britischen Kolonien und heutigen EU-Mitgliedern im Atlantik, wie den Falklands, sowie bis hin zu den ehemaligen französischen Kolonien im Indischen Ozean (z. B. La Reunion).

Was den kulturellen Einfluss Dänemarks und Norwegens anbetrifft, weist Grönland, hinsichtlich seines kulturellen Alltags und seiner geopolitischen Ausrichtung  viele Merkmale europäischen Kultureinflusses aber auch Nordamerikas auf. Daher endet im Westen der unmittelbare europäische kontinentale Kulturraum aus unserer Sicht (mit Ausnahme der Falkland-Inseln) an der Westküste Islands und der Kanarischen Inseln sowie irgendwo auf Grönland.

Im Südosten bildet, bei allen politischen und kulturellen Vorbehalten, die Ukraine den europäischen Kulturausläufer hinter dem Balkan, während im Süden die Inselstaaten Malta und Zypern Europas Grenzregionen gegenüber dem Orient bzw. Afrika darstellen. In der  südöstlich gelegenen Türkei als Gesamtstaat erblicken wir ein politisches Gebilde mit europäischen wie asiatischen und orientalischen Einflüssen. Zum europäischen Kontinentalgebilde kann sie unseres Erachtens nicht als Ganzes gezählt werden.

Ebenso gehört der postkoloniale Magreb nicht wirklich zum europäischen Kulturraum, wenngleich die Staaten am südlichen Rand des Mittelmeeres kulturelle Merkmale der europäischen und nordamerikanischen Moderne in sich tragen und ständig soziokulturelle Impulse durch den Tourismus erhalten, wenn auch meist nicht gehobener Art. Hinzu kommen in allen genannten Weltgegenden die kommerziellen, politischen und militärischen sowie interkulturellen Beziehungen und Querverbindungen.

Deutschland ist für uns die geopolitische wie kulturelle Mitte Europas, eine Gegebenheit, der sich jegliche gesellschaftsbezogene Analyse oder Perspektive zu stellen hat. Gleichwohl ist uns bewusst, dass die geografische Mitte in Litauen liegt. Eine Mittellage erheischt vernunftgemäß, sich bewusst in einem sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Umfeld zu bewegen, dessen Interessenlagen und Daseinsbedingungen wie auch kulturellen Besonderheiten zu berücksichtigen sind. Eine andere Orientierung führt erfahrungsgemäß mittelfristig in eine Sackgasse oder gar in die Katastrophe. Demzufolge halten wir, trotz vieler Fehler und Mängel, den deutschen Föderalismus, in Verbindung mit dem europäischen Subsidiaritätsprinzip, für grundlegende politische Elemente im Hinblick auf den Auf- und Ausbau eines "Europäischen Hauses", welches in erster Linie nicht durch multinationale Konzerne, Bank-Konsortien und militärische Bündnisse, sondern durch die in diesem Kontinentalgebilde lebenden Menschen repräsentiert wird.

Unseres Erachtens gilt es, sich heutzutage Wege zu erschließen, die zu einem kontinentalen Miteinander führen, das sich in erster Linie nicht an rücksichtsloser Gewinnsucht und Dominanz orientiert, sondern an Prinzipien, wie Freiheit, sozialer Verantwortung, ökologischer Rücksicht und Nachhaltigkeit sowie der ausgleichenden Gerechtigkeit. Entgegen diesen Prinzipien laufende, meist wirtschaftlich aber auch religiös und ideologisch motivierte politische Handlungsansätze haben in den vergangenen 2000 Jahren europäischer Geschichte ganz Europa, und damit auch seiner deutschen Mitte grundlegend geschadet. 

Im Zeitalter des Internets stehen wir alle vor der Herausforderung, einerseits den inneren Frieden, andererseits den geistigen wie kulturellen Austausch und wirtschaftspolitischen Ausgleich mit außereuropäischen kontinentalen Großgebilden anzustreben, also mit Afrika, Asien und ganz Amerika.

Wie fragil allein die innereuropäische Lage ist, zeigte sich in der ersten Hälfte der 1990er Jahre angesichts des Bürger- und Nationalitätenkrieges im damaligen post-titoistischen Jugoslawien. Dafür, dass sich so etwas in Zukunft nicht wiederholt, gibt es keine Garantie. Allerdings können die innereuropäischen Nachbarn mit dafür sorgen, die Gefahr einer Wiederholung zu bannen. Dies gilt auch bei innergeselschaft-lichen Konflikten, wie beispielsweise in der nordirischen Provinz Ulster. Eine gesamteuropäische Föderalkultur zu entwickeln, kann unseres Erachtens eine dienliche Form für eine gedeihliche Entwicklung unseres Kontinents sein.  

Die internationale Lage, derzeit einerseits gekennzeichnet durch Krieg und Massen-flucht, andererseits durch technologischen und wirtschaftlich-struktureilen Wandel und Chancen-Reichtum voller Alternativen, stellt eine globale Herausforderung dar, die lokal, regional, national und gesamteuorpäisch angegangen werden muss. Die Deutschen wie alle Europäer sind gehalten, nach friedensstiftenden Lösungen zu suchen, die Formen des angemessenen Interessenausgleichs mit Menschen in außer-europäischen Weltregionen mit einschließen.

Als Institut und als Mitglied von Netzwerken sind wir bestrebt, Zustände und Vorgänge nicht nur zu beobachten und zu reflektieren. Wo wir es als passend und für notwendig wie durchführbar erachten, wirken wir gestaltend mit.