Für eine freie, deutsch-europäische Föderalkultur!

Sozialwissenschaftliche Abhandlung des litauischen Fidea-Mitglieds Raminta Pučetaitė: "Lösung ethischer Probleme: Werkzeuge des ethischen Managements und der Humanisierung der Arbeitswelt" (Kaunas/Litauen 2007)

Im Freien Institut für deutsche und europäische Angelegenheiten e. V. wirken Frauen und Männer verschiedener weltan-schaulicher oder religiöser Einstellungen sowie unterschiedlicher kultureller Herkunft und Altersstufen zusammen. Unter den Gründungsmitgliedern waren Dissidenten aus der DDR und sogenannte Querköpfe aus der Altbundesrepublik.

Heute sind Fidea-Mitglieder in alten und neuen Bundesländern der zweiten deutschen Republik sowie in Litauen zu Hause. Neuerdings zählen wir auch Menschen aus außer-europäischen Gegenden der Welt, zum Beispiel aus Afrika, zu unseren Mitgliedern, sofern sie zugleich Bürger der Bundesrepublik Deutschland oder eines anderen europäischen Staates sind und über einen entsprechenden Pass verfügen. Dies belegt die Tatsache, dass wir bei allem innerdeutschen und gesamt-europäischen Engagement den Blick auf die Welt miteinbeziehen. Unsere nichteuropäischen ausländischen Mitglieder sind bestrebt und aufgefordert, die Kooperation zwischen Bürgern in Deutschland mit Menschen in ihren Herkunftsländern 'auf Augenhöhe' anzubahnen und nachhaltig zu fördern.

 

Wir bemühen uns um eine undogmatische Herangehensweise bei Erkenntnisgewinnung, Vermittlung und Beratung, vergleichbar mit den Prinzipien von Forschung und Lehre freier Hochschulen und Universitäten. Im Laufe unserer Werdung haben wir pädagogische Impulse der Volkshochschul-bewegung, der Reformpädagogik, der freisinnig-bürgerlichen Bewegung im Geiste von 1848, der deutschen wie internationalen Arbeiterbewegung, der sozialen, kulturellen und politischen Befreiungsbewegung in aller Welt, der kritischen Traditionspflege und der Selbstbildung in uns aufgenommen.

Wir bevorzugen den von Scheuklappen freien, offenen Diskurs und inhaltlichen Austausch mit Partnern im In- und Ausland. Darüber hinaus bieten wir uns und anderen Begegnungs-, Erfahrungs- und Bildungsmög-lichkeiten im Rahmen von Workshops, Foren, Kolloquien, Konferenzen sowie politisch-interkulturellen Salons und unterstützen mit unserem Kontaktnetz und angeeigneten Wissenspotenzial Menschen in ihren Bemühungen um kulturelle, wirtschaftliche, soziale und politische Entfaltung auf der Grundlage von Eigen- wie Gemein-schaftssinn, Selbständigkeit sowie in sozialer und ökologischer Verantwortung gegenüber der Umwelt. Vorrangig geht es uns dabei um einen unabhängigen Handlungsansatz.

Als freies Institut sind wir auch für Schüler, Auszubildende, freiwillige  ökologischen oder Sozialdienstleistende, Studierende, Senioren, Arbeitssuchende, Empfangende von Grund-versorgung oder Niedrigrente und Gering-verdienende offen.

Gern beteiligen wir uns auch an Treffen und Veranstaltungen anderer Institute, Organi-sationen und Bildungseinrichtungen.

Als Institut haben wir uns seit Gründung für föderale und freiheitlich-demokratische Prinzipien eingesetzt, in einem kritisch-freundlichen Verhältnis zu jener Spur, welche die Vordenker/-innen des deutschen Vormärz, die Abgeordneten des ersten deutschen Bundesparlaments von 1849, die Arbeiter- und Soldatenräte von 1918, ein Teil der Angehörigen der deutschen Nationalversammlung von 1919 sowie die Gründungsväter und –mütter der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 1949, aber auch einzelne Angehörige der ersten Volkskammern der frühen DDR sowie der letzten Volkskammer des deutschen Teilstaates, die Außerparlamentarische Bewegung zwischen 1964 und 1975 in Deutschland und im übrigen Europa sowie Ländern außerhalb Europas und natürlich die streitbaren und gleichwohl friedfertigen Revolutionäre von 1989 (Umweltschutzbibliothek in Ostberlin, Neue Foren, Teile der Jungen Gemeinden, sogenannte Friedenskirchen, freie Initiativen und einzelne Persönlichkeiten der „Wende“) einst legten.

Gesellschaftliche Entwicklungen und Erscheinungen bemühen wir uns im Rahmen eines geistig offenen, sachlich-fairen, gelegentlich auch leidenschaftlich geführten gemeinschaftsbezogenen Diskurses zu erkennen, anzueignen und zu verarbeiten, um daraus Schlüsse für Einschätzungen zu ziehen und Beratungsimpulse sowie eigene Handlungsansätze zu entwickeln.

Seit 2004 beteiligt sich das vereinsgetragene Freie Institut für deutsche und europäische Angelegenheiten an Vorbereitungstreffen und Foren von Nichtregierungsorganisationen im In- und europäischen Ausland. Aufgrund positiver Eindrücke durch die Teilnahme im estnischen Badeort Pärnu (2004) haben wir uns im Jahre 2005 der NGO-Initiative OSTSEEKOOPERATION angeschlossen, einem vor allem im norddeutschen Raum und in Berlin verankerten Netzwerk. Innerhalb jener NGO-Initiative haben wir die Aufgabe der Berücksichtigung und Behandlung eines Themenkomplexes übernommen, der mit Begriffen, wie Identität und Geschichte grob umrissen werden kann. Seit 2005 sind wir auch Mitglied des NGO-Ostsee-Netzwerks (Baltic Sea NGO-network). Allerdings ist der Ostseeraum für unsere Beziehungsverflechtungen mit Partnern im Ausland sowie entsprechende Vorhaben nur eine europäische Großregion unter vielen.

 

Ziel und Zweck unserer Tätigkeit ist seit Gründung die Unterstützung der Entwicklung eines föderal-kulturellen Europas mit einer, auch innerlich wiedervereinigten deutschen Mitte, gemäß des Begriffes von der Einheit in Vielfalt.

Die europäische Lebendigkeit wirkt unseres Erachtens durch die Besonderheiten in den Nationen und Regionen unseres Kontinentalgebildes, im Sinne einer gemeinschaftlichen Selbstbehauptung angesichts „globaler“ Entwicklungen und weltumspannender Tendenzen in Wirtschaft („global players“), Kultur (Medien, Unterhaltungsindustrie, Internet etc.) und Politik (neue Machtgebilde, „demokratischer Imperialismus“, Umformung von Militärbünd-nissen, Strategien der Ressourcensicherung und –aneignung, Umgang mit industriell unterentwickelten und Schwellenländern, massenhafte Fluchtbewegungen aufgrund von Kriegswirkungen und Armutsverhältnissen etc).

Skandalumwitterte Kampagnen sind nicht unsere Sache. Unsere kommunikativen und diskursiven wie beratenden Tätigkeiten werden durch die Herausgabe eigener Publikationen oder Weitervermittlung themengebundenen Schrifttums unterstützt.

Nachbemerkung: Gründung und Werden des Freien Instituts für deutsche und europäische Angelegenheiten e. V. standen stets in inhaltlicher Verbindung mit den geschichtlichen Vorgängen vor und nach dem 9. November 1989 und somit im Lichte der Ereignisse in Berlin, Leipzig, Rostock, Jena und an anderen Orten der DDR sowie mit emanzipativen, wertkonservativen und ökologischen Bewegungen in der Altbundesrepublik, ergänzt um die geistigen und kulturwirkenden Hinterlassenschaften des „Prager Frühlings“ und des „Pariser Mai“ von 1968, von „Glasnost“ und „Perestroika“ in der ehemaligen Sowjetunion, der nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen in Ost- und Ostmitteleuropa und der europäischen Regionalbewegungen (z. B. in der Bretagne oder in Schottland).

Das Fidea war vor den Ereignissen des Herbstes 1989 und Frühjahrs 1990 eine kleine, auch um Sinnstiftung bemühte Instanz jener Kräfte, die einer deutsch-europäischen Vereinigung in Freiheit zustrebten, allerdings unter Einbeziehung sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Aspekte, im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtungs- und Herangehensweise.

Unserer Auffassung gemäß sollten die Leistungen und Erkenntnisse all jener in unsere Tätigkeit einfließen, die sich in Neuen Foren, an Runden Tischen und in anderen Initiativen für Meinungsfreiheit, demokratische Mitwirkungsmöglichkeit und Menschenrechte, Respekt vor natürlichen Gegebenheiten, anderen Wesen und außer-europäischen Kulturen sowie die Erringung der deutschen Wieder- und gesamteuro-päischen Neuvereinigung engagierten. Deren Erfahrungswerte und Kenntnisse wollen wir auf produktive Weise anderen zugänglich machen und auf diese Weise in unseren gegenwärtigen wie zukünftigen gesellschaftlichen Wandlungsprozess einfließen lassen.

Unseres Erachtens ist die Verwirklichung von demokratisch legitimierter Volksherrschaft untrennbar mit dem Prinzip unveräußerlicher Individualrechte verbunden. Dazu gehören die Förderung gemeinschaftlichen Zusam-menlebens und -wirkens auf der Grundlage freier Entscheidung, flankiert durch identitätsstiftende Erziehungsinhalte und Umgangsformen ebenso, wie  die Ermöglichung persönlicher Freiheitsent-faltung, basierend auf der Übereinkunft über das Prinzip der Gleichberechtigung und der freien Wahl wirtschaftlicher Wirkungsform und soziokultureller Einordnung (vgl. Grundgesetz der Bundesrepublk Deutschland sowie die jeweiligen Landesverfassungen deutscher Bundesländer).

Das Fidea begleitet seit seiner Gründung den deutsch-europäischen Einigungsprozess mit dem Ziel eines innerlich elastischen und wandlungsfähigen, politisch wie kulturell föderalen Gesellschaftsgebildes vom Atlantik bis zum Ural. Dies tun wir in kritischer wie mitmenschlicher Ausrichtung, forschend, bildend, vermittelnd und beratend, ohne jeglichen Alleinvertretungsanspruch in Idee und Tat, in lokaler, regionaler, nationaler, europäischer wie weltweiter Verantwortung, denn: Wir haben Wurzeln, sind entweder arg entfremdet oder stark beheimatet oder irgendwie unterwegs und haben die Region, die Nation, Europa und letztlich die ganze Erde als gemeinsames Zuhause...

 

Eingewöhnung ohne Selbstverleugnung

Viele Menschen kommen in unser Land, um es touristisch (teilweise recht oberflächlich) zu konsumieren, ganz so, wie Deutsche (mitunter in massenhafter Zahl) Urlaubsgebiete in Südeuropa, im Magreb, in Südostasien, Süd- und Mittelamerika oder sonst wo in Übersee abnutzen. Gleichzeitig sind unter uns solche Mitmenschen, die aus beruflicher bzw. geschäftlicher Erfordernis die deutsche Sprache erlernen, sich an unsere Verkehrsregeln gewöhnen oder Vorschriften beachten und sich Umgangsformen aneignen müssen oder wollen, um langfristig zurecht zu kommen.

Viele Neubürger unter uns sind der Liebe wegen hier geblieben und möchten sich in Familie und Freundeskreis des deutschen Lebensgefährten oder Ehepartners einleben. Wieder andere, wenn auch vielleicht nicht gar so viele, interessieren sich aus unterschiedlichen Gründen für die deutsche Sprache und Kultur,  ganz gleich, ob sie sich nur eine gewisse Zeit lang oder zeitlich unbegrenzt in Deutschland aufhalten. Hinzu kommen all jene, die als Spätaussiedler, Emigranten oder Kontingent-Flüchtlinge in die Bundesrepublik gelangen und gehalten sind, sich einigermaßen verständlich zu machen und zu integrieren, um Chancen zum Lebensunterhalt oder der persönlichen Entfaltung wahrnehmen zu können.

Im FIDEA haben all die Genannten einen möglichen Partner für die Aneignung von Landeskunde, geografisch, geschichtlich, wirtschaftlich, politisch und kulturell, in Form von Betreuung im Selbstlernprozess oder durch Wahrnehmung unserer Bildungsveranstaltungen oder unseres Beratungsangebots. In diesem Zusammenhang bieten wir die Möglichkeit der Wissensaneignung in einem diskursiven Prozess. Auf Wunsch begleiten und betreuen wir auch gern in- und ausländische Schüler, Auszubildende und Studierende bei Themenfindungen und -umsetzungen im Rahmen ihrer schulischen, ausbildungsgebundenen oder akademischen Arbeiten, die zu Abschlüssen führen.

Mit dieser Auflistung erheben wir keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

Für all die Genannten wie für viele andere auch bietet das FIDEA seit 1. August 2013 Möglichkeiten kultureller Annäherung durch Wissensaneignung und Einübung in Form von Seminaren, Kursen und im Rahmen von Maßnahmen der Einzelbetreuung. Letztere kann wiederum in regelmäßigen Unterrichtseinheiten oder als ambulante Betreuung bei der Selbstbildung in Eigenregie erfolgen. Für folgende Themenbereiche kann die Unterstützung und der Informations- und Wissenspool des FIDEA in Anspruch genommen werden:

  • Deutsche Landeskunde auf Bundesebene
  • Landeskunde bezogen auf die einzelnen Bundesländer
  • Regionale Besonderheiten in Politik, Wirtschaft und Kultur
  • Politisches System der BRD
  • Geschichtliche Wurzeln der Nation
    • Das Erbe der Völkerwanderung
    • Vom Karlschen Reich zur Renaissance
    • Zwischen Glaubenskrieg und industrieller Revolution
    • Zwischen aufgeklärtem Absolutismus und bürgerlichem Aufbruch
    • Vormärz und deutsche Revolution von 1848/49
    • Deutschland und der imperiale Bürgerkrieg
    • Politische Theorien und ideengeschichtliche Aspekte gesellschaftlicher Entwicklung
    • Wiederaufbau, Blockbindung und Wohlstandsstreben
  • Ansätze zur Krisenbewältigung
  • Firmenphilosophie und Wirtschaftsethik
  • Die föderalistische Tradition
  • Pädagogische Traditionen und Alltagsherausforderungen
  • Politisches Handeln ohne Parteibuch
  • Ursprung und Ausformung des Genossenschaftswesens
  • Formen sozialer Selbstorganisation
  • Wiederkehr der Romantik
  • Soziale und kulturelle Autonomie
  • Alternativer Tourismus
  • Deutschland im europäischen Spannungsfeld der Interessen
  • Aspekte konkurrierender Rechtsauffassung auf nationaler und europäischer Ebene
  • Deutsch-mitteleuropäische Kultur im kontinentalen Kontext
  • Eurasische wie globale Perspektiven
  • Gegensätze und Gemeinsamkeiten zwischen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Akteuren in Deutschland, Russland und dem eurasischen Kulturraum (Ural), aber auch in Afrika
  • Vom Europa der Regionen
  • Politische Systeme im östlichen Ostseeraum bzw. in Ostmitteleuropa
  • NGO-Arbeit auf lokaler, regionaler, nationaler und europäischer Ebene
  • Findung und Entwicklung von Möglichkeiten der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Kooperation mit Partnern in Afrika (z. B. Senegal)

Diese Auflistung ist längst nicht vollständig, sondern Kennzeichen eines Bemühens um neue Positionsbestimmung für unsere praktischen Vermittlungs- und Bildungstätigkeit. Anregungen werden gern entgegen genommen. Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass wir im Rahmen unserer Vermittlungs-, Beratungs- und Bildungstätigkeit bei Bedarf mit anderen Einrichtungen, Initiativen und Organisationen oder Experten kooperieren oder selbige weiterempfehlen.

 

Die Fidea-Delegierte (ganz links im Bild) während des NGO-Ostsee-Forums 2009 im dänischen Helsingör (Foto: Albert Caspari, "infoBALT")